Kinder können und dürfen trauern. Wenn sie am Abschied teilnehmen und ihn mitgestalten, hilft das bei der Verarbeitung – altersgerecht, einfühlsam und ohne Überforderung.
Lange Zeit galt es als „kindgerecht", Kinder von Trauerfeiern fernzuhalten. Heute wissen wir: Das Gegenteil ist richtig. Kinder, die am Abschied teilnehmen dürfen, bewältigen Trauer besser als solche, die ausgeschlossen werden.
Entscheidend ist, wie Kinder einbezogen werden – altersgerecht, vorbereitet und ohne Druck. Ein Kind, das weiß, was es erwartet, kann aktiv teilnehmen. Wir gestalten Trauerfeiern so, dass Kinder willkommen sind.
„Wenn Kinder trauern, springen sie in sogenannte Trauerpfützen. Da drin sind sie traurig, aber sie springen eben auch schnell mal wieder heraus." Johanna Kuhr, Kinderpsychologin
Kinder können Bilder für den Verstorbenen malen und diese bei der Trauerfeier präsentieren oder in den Sarg legen. Das Zeichnen selbst ist ein heilsamer Akt der Verarbeitung – Kinder drücken damit aus, was sie mit Worten noch nicht sagen können.
Eine Blume auf den Sarg oder die Urne legen – ein einfaches, aber sehr bedeutsames Ritual. Kinder können eine Blume aus dem Garten oder eine besondere Blüte mitbringen und diesen Abschiedsmoment bewusst erleben.
Ein Lieblingslied singen, ein Instrument spielen – wenn ein Kind musizieren kann und möchte, ist das ein unvergessliches Geschenk an den Verstorbenen und ein bewegender Moment für alle Trauernden.
Ein selbstgeschriebenes oder ausgewähltes Gedicht vorlesen – das gibt Kindern eine Stimme in der Trauerfeier. Selbst wenn die Stimme zittert: Es ist authentisch und berührt. Wir helfen Kindern auf Wunsch bei der Auswahl oder beim Vorbereiten.
In manchen Familien bemalen Kinder mit Buntstiften oder Fingerfarben den Sarg oder die Urne – mit Herzen, Erinnerungen, Lieblingsfarben. Das ist ein sehr persönlicher, liebevoller Abschied, der dem Verstorbenen etwas Eigenes mitgibt.
Kinder, die bereits schreiben können, dürfen einen Brief an den Verstorbenen schreiben. Der Brief kann in den Sarg gelegt oder symbolisch verbrannt werden. Es ist ein privater Akt – und muss nicht vorgelesen werden.
Das Wichtigste: Kinder sollten niemals ohne Vorbereitung in eine Trauerfeier geschickt werden. Ein ruhiges Gespräch vorher – ehrlich, klar und altersgerecht – nimmt die Angst vor dem Unbekannten.
Was erwartet das Kind? Erklären Sie, was passiert: Wo ist die Feier? Wer ist dabei? Was passiert dort? Darf man weinen? Das Kind darf wissen, dass es in Ordnung ist, Gefühle zu zeigen.
Keine Pflicht zur Teilnahme. Kinder sollten nicht gezwungen werden. Ein Kind, das nicht mitgehen möchte, kann auch auf anderen Wegen Abschied nehmen – mit einem Brief, einem Bild oder einem eigenen kleinen Ritual zuhause.
Eine Begleitperson für das Kind. Es hilft, wenn eine vertraute Person gezielt bei dem Kind ist – jemand, der sich um es kümmert, ihm etwas erklärt und es begleitet, wenn es sich zurückziehen möchte.
Das Malteser Hospizzentrum bietet Trauerbegleitung auch für Kinder und Jugendliche an.
Elisabethenstraße 34, 64283 Darmstadt
Tel: 06151 1010539
trauerbegleitung@malteser.org
Jutta Gelbke ist spezialisiert auf die Trauerbegleitung von Familien und Kindern in der Region Darmstadt.
64367 Mühltal
Tel: 0151 68539342
info@hier-und-heute.info
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